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Dass die anhaltende Niedrigzinsphase nicht spurlos an den Versicherungsunternehmen hierzulande vorbeigeht, dürfte den meisten Lebensversicherungskunden bekannt sein. Schließlich müssen die versprochenen (Garantie-)Zinsen auf die Sparprämien der Kunden auch irgendwie erwirtschaftet werden. Diese lagen vor einigen Jahren noch bei 4% p.a. Derzeit sind am Markt aber nicht mal 2% p.a. nach Kosten zu erzielen, daher entsteht eine Unterdeckung.

Deshalb sucht die Branche (und der Gesetzgeber) nach Lösungen, die der überwiegenden Zahl der Kunden und damit der Altersvorsorge insgesamt zugute kommen, und zwar langfristig. Denn ein Problem tritt derzeit immer deutlicher zutage – dabei geht es um die so genannten Bewertungsreserven. Und in diesem Zusammenhang um den Fakt, dass gerade aktuell langfristig attraktive Geldanlagen veräußert werden müss(t)en, um kurzfristig gemäß den geltenden Bestimmungen Sonderausschüttungen an Lebensversicherungskunden leisten zu können, deren Vertrag gerade ausgezahlt wird.

Wie errechnet man Bewertungsreserven?

Als Beispiel zur Ermittlung von Bewertungsreserven soll eine Aktie dienen. Sie wird für 50 € gekauft und erfährt zum Bewertungsstichtag einen Anstieg auf 60 €. Mit dem Marktwert von 60€ korreliert bilanziell gemäß Verpflichtung aus dem Handelsgesetzbuch zum Niederstwert der Anschaffungspreis von 50 €. Die Differenz beträgt +10 € und stellt die Stillen Reserven der Aktie dar. Entsprechend wird mit allen anderen Kapitalanlagen verfahren. Fällt der Wert andererseits von 50 € auf 40 € liegen -10 € Wert vor und die Aktie hat in dieser Höhe Stille Lasten gebildet, denn der Buchwert liegt unverändert bei 50 €. Die Bewertungsreserven ergeben sich letztlich aus der Saldierung sämtlicher stillen Reserven mit sämtlichen stillen Lasten. Die Versicherungskunden partizipieren nur an positiven Bewertungsreserven – der Höhe nach zu 50 %.

Wo finde ich die Bewertungsreserven zu meinem Vertrag?

Für den Endkunden ist es eigentlich nicht nachprüfbar, ob seine Gesellschaft hier richtig gerechnet hat. Ob und wie Bewertungsreserven ausgewiesen werden, ist bei jeder Gesellschaft auch unterschiedlich. In aller Regel werden diese in den jährlichen Mitteilungen ausgewiesen, das ist für den einzelnen Vertrag aber nicht zwingend.

Eine weitere Erklärung von WiSo zum Thema finden Sie hier: http://www.heute.de/lebensversicherungen-minderheit-der-kunden-pluendert-reserven-32381086.html

Ob und in welcher Form eine Kündigung auch bei längeren Verträgen Sinn macht, hängt von deutlich mehr Faktoren als der reinen Bewertungsreserve ab – dies kann nur individuell je nach Gesellschaft und Vertrag geklärt werden.

Was dies für alle Lebensversicherungskunden bedeutet und wie Sie sich orientieren können, ist sehr individuell zu sehen. Am besten lassen Sie Ihre bestehenden Verträge untersuchen – ähnlich wie beim Arzt. In der Regel nehmen die Vorsorgeuntersuchungen im Alter zu – so sollte es auch mit älteren Verträgen sein. Lassen Sie sich beraten!

 

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