In den letzten Monaten erreichte mich im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge mehrfach die Frage, ob eine Direktversicherung nicht durch eine Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung untermauert werden sollte.

Konkret sieht das wie folgt aus: Ein Arbeitnehmer hat eine Direktversicherung, die direkt vom Arbeitgeber bezahlt wird, je nach Vereinbarung wird ein Teil oder auch die komplette Summe von der Gehaltsrechnung einbehalten. Dieses Geld fließt häufig in Direktversicherungen. Hier kann man einen Zusatzbaustein einbinden, für den Fall, dass der Arbeitnehmer (die versicherte Person) berufsunfähig wird, dann würde bei korrekter Beitragszahlung die Versicherungsgesellschaft den Beitrag übernehmen.Dieser Zusatzbaustein kostet natürlich eine Prämie bzw. Beitrag, d. h. ein Teil der eingezahlten Summe fließt in den Zusatzversicherung.

Wesentliche Information an dieser Stelle: in aller Regel stufen Versicherungsgesellschaften eine Person frühestens nach 6 Monaten dauerhafter Krankheit als berufsunfähig ein. Und: die Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung greift nur, wenn sie bis zum Eintritt der Berufsunfähigkeit auch regelgerecht bezahlt wurde.

Konkret an einem Beispiel betrachtet sieht dies wie folgt aus: Hans Müller ist Arbeitnehmer der Firma Meier AG, er ist Vorarbeiter in einem Bauunternehmen. Er hat eine Direktversicherung bei der Apfelsinia, in die jeden Monat 220 EUR einbezahlt werden. 27 EUR davon sind für die Berufsunfähigskeits-Zusatzversicherung. Herr Müller hat seit einiger Zeit starke Beschwerden, Er lässt sich untersuchen und es kommt heraus, dass es sehr dramatisch ist: eine komplizierte Krebserkrankung. Er hat eine komplexe Bestrahlungs- und Chemotherapie vor sich, anschließend Operation, deutlich später soll eine ausführliche Reha angehängt werden. Es ist jetzt nicht absehbar, ob er jemals wieder arbeiten kann. Die Wahrscheinlichkeit, dass er seine körperliche Tätigkeit wieder aufnehmen kann, ist nahezu ausgeschlossen.

Die Bestrahlungs- und Chemotherapie dauert rd. 6 Wochen, es steht nun die OP an. Genau zu dieser Zeit endet die Gehaltszahlung durch den Arbeitgeber, fortan wird sein Gehalt (gemindert) von der Krankenkasse übernommen. Die Zahlung an die Direktversicherung stellt der Arbeitgeber in diesem Moment natürlich auch ein. Damit endet die Zahlung auch für den Zusatzbaustein der Berufsunfähigkeitsversicherung. Herr Müller müsste diese 220 EUR nun privat zahlen. Zum einen ist sein Gehalt schon gemindert und das würde ihm sehr schwer fallen, zum anderen hat er durch die Krankheit und die bevorstehende OP derzeit wirklich andere Sorgen, als sich um seine Altersvorsorge zu kümmern. Fazit: Die Post der Direktversicherung wird schnell wieder in die Ecke gelegt, er hat aktuell andere Sorgen…

6 Monate später: Herr Müller ist aus der Reha zurück, es ist soweit alles ok, es geht ihm eigentlich ganz gut. Der Krebs scheint besiegt, jedoch hat der Arzt Herrn Müller berufsunfähig geschrieben; seinen Job als Meister auf der Baustelle kann er auf keinen Fall weiterhin ausüben.

Nach genauer Prüfung deutlich später teilt ihm die Versicherung Apfelsinia mit, dass die Beiträge durch die Berufsunfähigkeitsversicherung leider nicht übernommen werden können, da die Beitragszahlung (aufgrund der Krankheit) kurz zuvor eingestellt wurde. Die Rente oder auch den Einmalbetrag aus der Versicherung kann er sicherlich zu gegebener Zeit erhalten, der Beitrag für die Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung ist jedoch eine Fehlinvestition.

Durch eine passende Berufsunfähigkeitsabsicherung lässt sich dieses Dilemma unterbinden. Jedoch sollte diese Absicherung nicht im Rahmen einer betrieblichen Altersvorsorge eingebunden sein.