Seit einigen Wochen ist es kein Geheimnis mehr: man spekuliert nicht mehr nur noch über steigende Zinsen, mittlerweile spürt man dies auch in den aktuellen Angeboten für Finanzierungen. Angebote für Finanzierungen im Bereich unter 3% p.a. werden wieder deutlich seltener.

Aber was passiert hier genau, und warum?

Ben Bernanke als Leiter der US-Notenbank wird darüber entscheiden ob und wie das Geld leihen wieder teurer wird. Bisher haben die Amerikaner jeden Monat Milliarden sehr billiges Geld in den Markt gepumpt, so dass den Bürgern immer mehr Geld für sehr niedrige Zinssätze zur Verfügung stand, es sollte kräftig konsumiert werden, es sollten Arbeitsplätze geschaffen werden. Seit einiger Zeit ist dies nun in den Zahlen zu spüren, die Wirtschaft hat ordentlich Fahrt aufgenommen.

Vor einigen Monaten gab es den Begriff des „Tapering“, der eigentlich aus dem Sport stammt, bei dem es darum geht, das Trainingspensum zu drosseln – in der Regel kurz vor dem Wettkampf. Ben Bernanke will also langsam die Geldspritze stoppen, drosseln. Beim Sport geht es nach dieser Drosselung in den Wettkampf. Worauf will er die Wirtschaft und insgesamt die Märkte dieser Welt damit vorbereiten?

Die Schwellenländer (Argentinien, Brasilien, Indien, Südafrika, etc.) haben bereits unter dieser Ankündigung sehr gelitten, ihre Währungen sanken stark.

Welche Auswirkungen hat das für uns?

Ein Beispeil: Frau Müller hat 50.000 EUR und bringt diese zu Ihrer Bank für einen Sparbrief, sie bekam in der Vergangenheit hierfür für ein Jahr 1,0% Zinsen. Die Bank kann dieses Geld nun bei der Zentralbank für unter einem Prozent anlegen und hat die Sicherheit, das es auf jeden Fall auch jederzeit abrufbar ist. Kein gutes Geschäft. Oder die Bank geht hin leiht das Geld einem anderen Kunden – sie gibt ihm Kredit. Dafür bekam die Bank bisher rd. 3% pro Jahr. In letzter Zeit entschied sich die Bank gerne für den Kredit an den Kunden, da konnte sie mehr verdienen. Allerdings hat sie das Risiko, dass der Kredit auch mal nicht zurückgezahlt werden kann – deshalb ein höherer Zins.

Nun wird es nach einem leichten Zinsanstieg so sein, dass die Bank sich gut überlegen wird, ob sie das Geld dem Kunden überlässt, oder selber risikolos bei der Zentralbank zu dann deutlich günstigeren Kondistionen investiert.

Spannend wird sein, wie die Zins- und Kapitalmärkte der gesamten Welt dieses Szenario verkraften werden. Gerade die Schwellenmärkte sind sehr sensibel und könnten sehr schnell und heftig reagieren, was zu einer erneuten Unsicherheitssituation führt, Vertrauen im Markt geht verloren, etc. – all das haben wir 2008/2009 bereits erlebt. Ergebnis war, dass die Banken untereinander sich kaum noch Geld geliehen haben.

Spannend für den Kapitalanleger wird sein, dass seine Guthabenzinsen auch wieder etwas steigen. Bei einem Guthabenzins (von dem jeweils Kosten und Steuern abzuziehen sind) weit unterhalb der Inflationsrate wird es einige Zeit dauern, bis das zumindest das Kapital erhalten bleibt durch die Zinszahlung auf risikolose Investments.

Risikolose Investments? Spätestens seit der Zeit um 2008/09 herum wissen wir, dass durch den Verlust des Vertrauens der Marktteilnehmer, das Verschwinden großer Banken am Markt (Lehman Brother) kein Investment risikolos ist.

Es bleibt also spannend. Wichtig ist an dieser Stelle, dass man selber seine Risiken und auch seine Chancen kennt und einen Berater an seiner Seite weiß, der sich auskennt und die Dinge im Blick hat.